succesfull failure - erfolgreich Scheitern

ein Medienkunstcamp zwischen Berblinger und Battle Royal.

 

Das Medienkunstcamp musste wegen der aktuellen Corona Pandemie verlegt werden. Neuer Termin ist in den Winterferien 2020, vom 15.2. bis 19.2.2020 jeweils von 9 bis 16 Uhr. Bewerbungen sind wieder ab dem 13.11.2020 (bis 17.1.2021) möglich. Bewerber*innen, die sich bereits für das Camp im April 2020 beworben haben, müssen sich nicht erneut bewerben. Bei Interesse werden diese Bewerbungen einfach übernommen.

 

Thema:


Das Medienkunstcamp „erfolgreich Scheitern“ beschäftitgt sich inhaltlich mit dem Begriff Erfolg. Das Streben nach Erfolg ist omnipräsent. Wer wünscht sich das nicht, ein „erfolgreiches“ Leben? Aber was genau verstehen wir unter Erfolg? Persönlicher Erfolg, wirtschaftlicher Erfolg, gesellschaftlicher Erfolg, sozialer Erfolg? Welchen Einfluss hat das Streben nach „Erfolg“ auf unser Handeln? Gibt es „Erfolgsdruck“?
Im Untertitel: „zwischen Berblinger und Battle Royal“ taucht das Begriffspaar, auf das für zwei Erfolgsmodelle steht, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Diese beiden Pole sind Aufhängepunkte und Reibungsfläche dieser künstlerischen Auseinandersetzung mit Erfolg.

1) Berblinger

Der Schneider von Ulm (Ulm 1592)
Berthold Brecht

Bischof, ich kann fliegen
Sagte der Schneider zum Bischof.
Paß auf, wie ich`s mach.
Und er stieg mit so`nen Dingen
Die aussahn wie Schwingen
Auf das große, große Kirchendach.
Der Bischof ging weiter,
Das sind lauter Lügen
Der Mensch ist kein Vogel
Es wird nie ein Mensch fliegen
Sagte der Bischof vom Schneider.

Der Schneider ist verschieden
Sagten die Leute dem Bischof.
Es war eine Hatz.
Seine Flügel sind zerspellet
Und er liegt zerschellet
Auf dem harten, harten Kirchenplatz.
Die Glocken sollen läuten
Es waren nichts als Lügen
Der Mensch ist kein Vogel
Es wird nie ein Mensch fliegen
Sagte der Bischof den Leuten.


War Berblinger erfolgreich? Die brechtsche Version lässt keinen Zweifel daran, dass Berblingers Ideen keinerlei Erfolg beschieden war. Kein Platz für Erklärungen, Einwände oder Gegendarstellungen und trotzdem schwingt zwischen den Zeilen, im Kopf des Lesers, der die ganze Geschichte kennt, ein rebellisches „Das stimmt so aber nicht!“ mit. Gegen alle gesellschaftlichen Widerstände und das Wissen der Zeit, verfolgt er seine Ideen und Visionen. Und am Ende: Berblinger ist gescheitert, er ist glorreich gescheitert, vor den Augen aller ins Wasser gefallen, verlacht, verhöhnt und schließlich einsam gestorben. Eine gescheiterte Existenz? Oder die Leuchtgestalt der Ulmer Stadtgeschichte? Seit Jahrhunderten erzählen sich die Menschen seine Taten. Seine Heimatstadt ist bis heute höchst stolz auf ihren mutigen Erfinder und Luftfahrtpionier, der sich durch nicht von seinen zukunftsweisenden Visionen hat abbringen lassen. War Berblinger also letzendlich doch erfolgreich?


2) Battle Royal
Battle Royal ist ein Spielmodus, der sich bei vielen aktuellen Computerspielen großer Beliebtheit erfreut. Ein Battle Royal ist dann gewonnen, wenn alle anderen Mitspieler tot sind. Die Drastik des Gegensatzpaares Erfolg-Scheitern ist in diesem populären Modell präsent. Ob in „fortnite“, „Apex legends“ oder „H1Z1: King of the Kill“, oder auch in Filmen wie „Die Tribute von Panem“ oder eben dem gleichnamigen Film „Battle Royal“, stets geht es darum, alle Konkurrenten endgültig auszuschalten. Ist man dazu nicht bereit, wird man selber ausgeschaltet.
Das System Battle Royal treibt den Wettbewerb um Erfolg auf die Spitze, indem sie das Scheitern in diesem Wettkampf als ein wirklich endgültiges Verlieren (der Existenz) beschreibt. Sich dem Wettbewerb zu entziehen bedeutet nur, ebenfalls zu scheitern. Wer hier gewinnen will muss sich den Regeln des Spiels unterwerfen.

Diese zwei Beispiele zeigen ganz unterschiedliche Formen und Bedingungen, ja sogar unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema Erfolg auf. Vor diesem Panorama werden die Teilnehmenden mit den DozentInnen zusammen über Erfolg diskutieren und in den Kontext des eigenen Erlebens stellen. Ziel ist es, dass die Teilnehmenden alleine oder in Gruppen eigene künstlerische Arbeiten gestalten, die sich aus dieser Auseinandersetzung heraus ergeben.

 

Medium:


Besonders ist an diesem Projekt, dass die teilnehmden SchülerInnen ihre Ideen im Bereich der neuen Medien umsetzten werden. Video, Projektionen, 3d Modeling, Augmented Reality, Videomapping sind neue künstlerische Ausrucksformen, die die Schüler/innen kennenlernen werden und je nach Bedarf für Ihre Idee nutzen können. Begleitet werden sie von 4 Medienkünstlern und einer Medienpädagogin, die jeweils andere Schwerpunkte haben und unterschiedliche Techniken in das Camp einbringen.

 

Präsentation:


Auch im Museum Ulm spielt das Berblinger Jubiläum 2020 eine Rolle. Im Mai 2020 wurde eine große Ausstellung eröffnet, die Berblinger, insbesondere seine Prothesen, in den Kontext zeitgenössischer künstlerischer Auseinandersetzung stellt. Auch die Ergebnisse des Medienkunstcamps „succesfull failure - erfolgreich Scheitern“ werden in den Räumen des Museums gezeigt. Geschichte trifft auf zeitgenössische Künstler und wird durch den Blickwinkel einer neuen Generation junger Menschen bereichert.
Die Präsentation im musealen Rahmen gibt dem ganzen Projekt ein klares Ziel und ist zusätzliche Motivation. Sie demonstriert Wertschätzung für die Ergebnisse einer künstlerischen Auseinandersetzung junger Menschen und bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit das Museum als Institution hautnah und „von innen“ zu erleben. Sie erfahren sich als gestaltender Teil einer lebendigen Stadtgesellschaft.

 

Ablauf:


Ein Vor- und Kennenlerntreffen im Museum Ulm bildet den Startpunkt des Medienkunstcamps. Am 6.2.2021 treffen sich Teilnehmende und DozentInnen um gemeinsam einen ersten Einstieg in das Thema zu finden und einander kennenzulernen. Die beteiligten KünstlerInnen stellen sich und Ihre Arbeit vor und zeigen auf, welche technischen Möglichkeiten sie in das Projekt einbringen. Der gemeinsame Besuch des Berblingerturms und die Besichtigung der Ausstellungsräume im Museum Ulm, ermöglichen eine erste Auseinandersetzung mit dem Thema und der Institution Museum. Der Vorteil eines Treffens vor der eigentlichen Projektphase besteht darin, dass die Teilnehmenden in Ruhe über Thema und Medien nachdenken können und so zu Projektbeginn bereits mit ersten konkreten Ideen starten können.

Das Medienkunstcamp wird 5 Tage dauern und vom 15.2. bis 19.2.2021 stattfinden. Die Teilnehmenden werden von morgens bis in den nachmittag hinein an ihren Ideen arbeiten. Gearbeitet wird in Räumen des Museums Ulm und des Verschwörhauses. Es bilden sich, je nachdem welche Ideen entwickelt werden, Arbeitsgruppen aus DozentInnen und TeilnehmerInnen. Die DozentenInnen versuchen nach Kräften zu unterstützen und zu beraten, sowie technisches Know How zu vermitteln. Täglich werden die erarbeiteten Ergebnisse vorgestellt und mit der Gruppe diskutiert. In den letzten Tagen wird es auch um eine angemessene Präsentationsform gehen. Eine Ortbegehung im Museum sowie Gespräche mit der verantwortlichen Kuratorin sind Teil des Camps. Jeden Tag besteht beim gemeinsamen Mittagessen Raum für Gespräche zwischen den Teilnehmehmenden und den DozentInnen über die Arbeitsgruppen hinweg (dieser Teil muss gegebenenfalls an die aktuelle Corona Situation angepasst werden.) Gemeinsam wird auch besprochen wie und wo die Arbeiten platziert werden. Die Formulierung kurzer Texte mit zusätzlichen Informationen, zu den einzelnen Arbeiten für Besucher der Ausstellung, wird ein weiterer Bestandteil des Camps sein.

 

Teilnahme:

Insgesamt werden 20 Plätze für Jugendliche ab der 7. Klasse vergeben. Die Anzahl der Plätze wurde vorsorglich reduziert um selbst strengeren Coronaregeln im Notfall standhalten zu können.  Die Teilnehmenden müssen sich für eine Teilnahme am Medienkunstcamp bewerben. Das Bewerbungsverfahren findet online über diese Website statt (13.11.2020 bis 17.1.2021). Für Jugendliche, die sich über das Onlineverfahren bewerben und für das Camp ausgewählt werden, ist die Teilnahme komplett kostenlos, das Mittagessen inclusive. Restplätze werden über das e.tage Ferienprogramm vergeben und sind dann gebührenpflichtig. Es lohnt sich also eine Bewerbung abzugeben!