succesfull failure - erfolgreich Scheitern

ein Medienkunstcamp zwischen Berblinger und Battle Royal.

 

Thema:

Das Medienkunstcamp „erfolgreich Scheitern“ beschäftitgte sich inhaltlich mit dem Begriff Erfolg. Das Streben nach Erfolg ist omnipräsent. Wer wünscht sich das nicht, ein „erfolgreiches“ Leben? Aber was genau verstehen wir unter Erfolg? Persönlicher Erfolg, wirtschaftlicher Erfolg, gesellschaftlicher Erfolg, sozialer Erfolg? Welchen Einfluss hat das Streben nach „Erfolg“ auf unser Handeln? Gibt es „Erfolgsdruck“?
Im Untertitel: „zwischen Berblinger und Battle Royal“ taucht das Begriffspaar, auf das für zwei Erfolgsmodelle steht, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Diese beiden Pole sind Aufhängepunkte und Reibungsfläche dieser künstlerischen Auseinandersetzung mit Erfolg.

1) Berblinger

Der Schneider von Ulm (Ulm 1592)
Berthold Brecht

Bischof, ich kann fliegen
Sagte der Schneider zum Bischof.
Paß auf, wie ich`s mach.
Und er stieg mit so`nen Dingen
Die aussahn wie Schwingen
Auf das große, große Kirchendach.
Der Bischof ging weiter,
Das sind lauter Lügen
Der Mensch ist kein Vogel
Es wird nie ein Mensch fliegen
Sagte der Bischof vom Schneider.

Der Schneider ist verschieden
Sagten die Leute dem Bischof.
Es war eine Hatz.
Seine Flügel sind zerspellet
Und er liegt zerschellet
Auf dem harten, harten Kirchenplatz.
Die Glocken sollen läuten
Es waren nichts als Lügen
Der Mensch ist kein Vogel
Es wird nie ein Mensch fliegen
Sagte der Bischof den Leuten.


War Berblinger erfolgreich? Die brechtsche Version lässt keinen Zweifel daran, dass Berblingers Ideen keinerlei Erfolg beschieden war. Kein Platz für Erklärungen, Einwände oder Gegendarstellungen und trotzdem schwingt zwischen den Zeilen, im Kopf des Lesers, der die ganze Geschichte kennt, ein rebellisches „Das stimmt so aber nicht!“ mit. Gegen alle gesellschaftlichen Widerstände und das Wissen der Zeit, verfolgt er seine Ideen und Visionen. Und am Ende: Berblinger ist gescheitert, er ist glorreich gescheitert, vor den Augen aller ins Wasser gefallen, verlacht, verhöhnt und schließlich einsam gestorben. Eine gescheiterte Existenz? Oder die Leuchtgestalt der Ulmer Stadtgeschichte? Seit Jahrhunderten erzählen sich die Menschen seine Taten. Seine Heimatstadt ist bis heute höchst stolz auf ihren mutigen Erfinder und Luftfahrtpionier, der sich durch nicht von seinen zukunftsweisenden Visionen hat abbringen lassen. War Berblinger also letzendlich doch erfolgreich?


2) Battle Royal
Battle Royal ist ein Spielmodus, der sich bei vielen aktuellen Computerspielen großer Beliebtheit erfreut. Ein Battle Royal ist dann gewonnen, wenn alle anderen Mitspieler tot sind. Die Drastik des Gegensatzpaares Erfolg-Scheitern ist in diesem populären Modell präsent. Ob in „fortnite“, „Apex legends“ oder „H1Z1: King of the Kill“, oder auch in Filmen wie „Die Tribute von Panem“ oder eben dem gleichnamigen Film „Battle Royal“, stets geht es darum, alle Konkurrenten endgültig auszuschalten. Ist man dazu nicht bereit, wird man selber ausgeschaltet.
Das System Battle Royal treibt den Wettbewerb um Erfolg auf die Spitze, indem sie das Scheitern in diesem Wettkampf als ein wirklich endgültiges Verlieren (der Existenz) beschreibt. Sich dem Wettbewerb zu entziehen bedeutet nur, ebenfalls zu scheitern. Wer hier gewinnen will muss sich den Regeln des Spiels unterwerfen.

Diese zwei Beispiele zeigen ganz unterschiedliche Formen und Bedingungen, ja sogar unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema Erfolg auf. Vor diesem Panorama haben die Teilnehmenden mit den DozentInnen zusammen über Erfolg diskutiert. Ziel war es, dass die Teilnehmenden alleine oder in Gruppen eigene künstlerische Arbeiten gestalten, die sich aus dieser Auseinandersetzung heraus ergeben.

 

Medium:


Besonders ist an diesem Projekt, dass die teilnehmden SchülerInnen ihre Ideen im Bereich der neuen Medien umgesetzt haben. Video, Projektionen, 3D Modeling, Augmented Reality, Videomapping sind neue künstlerische Ausrucksformen, die die SchülerInnen kennengelernt haben. Begleitet wurden sie von 4 MedienkünstlerInnen, die jeweils andere Schwerpunkte haben und unterschiedliche Techniken in das Camp einbringen.

 

Präsentation:


Auch im Museum Ulm spielt das Berblinger Jubiläum 2020 eine Rolle. Im Mai 2020 wurde eine große Ausstellung eröffnet, die Berblinger, insbesondere seine Prothesen, in den Kontext zeitgenössischer künstlerischer Auseinandersetzung stellt. Auch die Ergebnisse des Medienkunstcamps „succesfull failure - erfolgreich Scheitern“ werden in den Räumen des Museums gezeigt. Geschichte trifft auf zeitgenössische Künstler und wird durch den Blickwinkel einer neuen Generation junger Menschen bereichert.
Die Präsentation im musealen Rahmen gab dem ganzen Projekt ein klares Ziel und ist zusätzliche Motivation  und bot den Teilnehmenden die Möglichkeit das Museum als Institution hautnah und „von innen“ zu erleben.

 

Ablauf:

Das Medienkunstcamp hat vom 15.2. bis 19.2.2021 stattgefunden.

Leider hat Corona auch vor unserem Kunstcamp nicht halt gemacht. Nachdem das Camp schon einmal von Frühjahr 2020 auf die Winterferien 2021 verschoben wurde, haben wir uns Anfang des Jahres dazu entschlossen das Camp online über die Lernplattform "ulmlent" durchzuführen.

Durch das digitale Format mussten wir aber auch einige Änderungen am Konzept durchführen. Was besonders traurig ist, dass wir nicht mehr so frei arbeiten konnten, wie wir uns das gewünscht hätten. Ganz einfach aus dem Grund, dass wir für ein digitales Camp alle Arbeitsschritte, die Technik und die Materialien im Vorfeld genau vorbereiten mussten, damit dann Jede und Jeder auch alles zu Hause zur Verfügung hatte, was er oder sie benötigt hat.

Wir haben uns 5 Tage lang online getroffen und an unserem Projekten gearbeitet. Jeden Tag gab es Einblicke in die Vortschritte einzelner Workshops in Form von kurzen Arbeitspräsentationen. Für die DozentInnen waren die Online Workshops Neuland. Umso mehr haben wir uns gefreut, dass alle Teilnehmenden mit viel Motivation und Freude an Ihren Projekten gearbeitet haben, so dass wir alle eine sehr intensive und schöne Campwoche verbingen konnten!

Im März 2021 haben wir dann begonnen die Ausstellung im Museum Ulm aufzubauen. Durch eine kurze Öffnungsphase des Musuems hatten wir das Glück, das wir auch die Teilnehmenden in den Aufbau der Ausstellung einbeziehen konnten. Momentan warten wir auf eine erneute Öffnung des Museums um unsere Ausstellung endlich der Öffentlichkeit präsentieren zu können.